Drei Punkte aus Käfighaltung

Drei Punkte aus Käfighaltung

Die Erste 08.10.2017

4:0-Sieg gegen Blumenthaler SV

Mit 4:0 war der Bremer SV im Klassiker gegen den Blumenthaler SV erfolgreich. Ein aus unserer Sicht erfreuliches Ergebnis, dass jedoch nicht den durchaus engen Spielverlauf widerspiegelt. Denn gemessen an Spielanteilen und gelungenen Offensivaktionen fiel dieser Sieg dann doch etwas zu hoch aus.

 

STÜRMISCHE VORBEDINGUNGEN

Die Entscheidung diese Begegnung nicht im Stadion am Panzenberg auszutragen wurde keine 24 Stunden vor Anpfiff getroffen. Sturmtief "Xavier" und die nachfolgenden starken Niederschläge hatten den Rasen an der eigentlichen Heimspielstätte in einen mit Wasser randvoll gesogenen Schwamm verwandelt, der von den heftigen Windböen auch noch ein botanisches Topping aus jeder Menge Laub, Gestrüpp und abgerissenen Ästen erhalten hatte. Da es tags zuvor durch diese Bedingungen nicht einmal möglich war dem Platz vorschriftsmäßige Kreidelinien zu verpassen und die Stollen der Fußballschuhe auf die Grasnarbe wohl eine ähnliche Wirkung gehabt hätten wie die Ketten eines Bundeswehrpanzers entschied sich eine Beratungskommission, bestehend aus mehreren Mitgliedern des Vereinsvorstands und Verantwortlicher der ersten Herrenmannschaft, das Spiel auf den Kunstrasenplatz auf der Sportanlage am Hohweg zu verlegen. Doch mit dieser Entscheidung allein war es nicht getan, denn auch dieser Platz lag voll mit klitschnassem Laub und Gestrüpp, sodass das Spielfeld erst aufwändig gesäubert werden musste. Diese Arbeit wurde dann von der Mannschaft höchstpersönlich übernommen. Ob dieser Einsatz vom Trainer-Stab als Konditions- oder Krafttraining anerkannt wurde ist nicht bekannt.

 

PERSONAL

Im Vergleich zum 3:0-Auswärtssieg im Lotto-Pokal beim FC Oberneuland veränderte Trainer Pinter sein Team nur auf zwei Positionen: zwischen den Torpfosten stand heute Seemann anstelle von Ahlers-Ceglarek (saß auf der Bank), außerdem übernahm Faouzi den Mittelfeld-Startplatz von Koweschnikow (nicht im Kader, aber als Zuschauer anwesend). Den freien Platz auf der Bank erhielt Krogemann.

 

HÄLFTE EINS

Die rund 130 Zuschauer mussten nicht lange warten um die erste gefährliche Aktion des Spiels zu erleben. Bereits in der 5. Minute gelang es Kurkiewicz mit dem Ball am Fuß in die linke Flanke des gegnerischen Strafraums vorzustoßen, doch bevor er die Kugel von dort aus produktiv weiterverarbeiten konnte wurde er von Schiedsrichter Duschner (SC Borgfeld) zurückgepfiffen, denn der Offensivspieler stand bei seiner Ballannahme im Abseits. Besser lief es da nur zwei Minuten später: nach einer blitzschnellen Passstafette rauschte Aziri auf Linksaußen auf und davon und hebelte auf Strafraumhöhe eine präzise Flanke in die Mitte. Dort wartete schon Rockahr, von der Blumenthaler Hintermannschaft nur unzureichend eskortiert, der mühelos zum 1:0 einschob (7. Minute). Auf den Gesichtern der Gäste machte sich große Enttäuschung breit, Resignation suchte man dort aber vergebens. Blumenthal gab sich nicht auf und glaubte weiter fest daran hier noch etwas reißen zu können, doch der Bremer SV blieb zunächst erstmal dominant. In der 12. Minute entschied Schiedsrichter Duschner nach einem der äußerst zahlreichen Fouls mal wieder auf Freistoß, Cakir legte sich den Ball auf der Strafraumgrenze zurecht und feuerte einen heftigen Schuss ab dem es jedoch nicht gelang die Blumenthaler Mauer zu durchschlagen. Nur zwei Minuten später hatte Cakir erneut die Gelegenheit die Führung auszubauen, sein Kopfball nach einer tollen Hereingabe von Rathjen passierte die Querlatte jedoch haarscharf auf der falschen Seite. Es war eine intensive Partie, in der sich die beiderseitig in großer Menge vorhandenen fußballerischen Qualitäten jedoch oft gegenseitig aufhoben. In der 30. Minute kam dann erstmals der Bremer SV in Bedrängnis: Ali Dag hatte sich auf der rechten Seite toll freigespielt und war schon einschußbereit in den Strafraum eingedrungen, sein Schuß konnte in letzter Sekunde noch vom heranstürmenden Nukic zur Ecke abgeblockt werden. Kurz danach der erste Wechsel, Blumenthal-Coach Moussalli entschied sich zu einem frühen Spielertausch: Moritz Hannemann verließ das Feld, für ihn kam Vinzenz van Koll in die Partie (36. Minute). Der neue Mann war es auch der nur kurze Zeit später die mit Abstand beste Gelegenheit zu einem Blumenthaler Treffer hatte, doch Rathjen konnte den bereits in Richtung Tornetz springenden Ball um Haaresbreite noch von der Linie kratzen (37. Minute). Kurz vor dem Halbzeitpfiff dann nochmals Aufregung: ein Blumenthaler Spieler kam im Strafraum des Bremer SV zu Fall, doch Schiedsrichter Duschner verweigerte den von der Gästebank äußerst lautstark geforderten Strafstoß.

 

HÄLFTE ZWEI

Das Aufeinandertreffen dieser beiden BSVs ist immer vortrefflich dazu geeignet die Gemüter in äußerst aktive Aggregatzustände zu versetzen, da machte die heutige Begegnung keine Ausnahme. Beide Mannschaften egalisierten sich über weite Strecken, nicht selten wurde versucht dieses ausgeglichene Kräfteverhältnis durch Einsatz und Kampf zu kompensieren. Die Folge: viele Fouls, viele Freistöße. Das wiederum ließ die Emotionen oft weiter hochkochen, wozu die Tatsache dass die Zuschauer nur wenige Zentimeter vom Spielfeldrand entfernt standen ihr übriges beitrug. Beide Mannschaften warfen dem Schiedsrichter vor benachteiligt zu werden, was Duschner jedoch souverän und beruhigend zu meistern wusste. Die Tatsache dass beide Teams gleichermaßen unzufrieden waren in Kombination mit dem vom Autor dieser Zeilen festgestellten Fakt dass sich begangene Fouls und gepfiffene Freistöße zu gleich großen Teilen auf die beiden Mannschaften verteilten zeigt deutlich wie sehr das subjektive Empfinden auch erfahrene Fußballfüchse täuschen kann. Es dauerte bis zur 57. Minute ehe sich über dem Hohweg wieder Torgefahr breit machte: Malte Tietze pfefferte das Spielgerät heftig auf das Gehäuse der Hausherren, Keeper Seemann zeigte jedoch seine Klasse und hielt das Geschoss sicher in den Händen. Kurz danach die erste Auswechslung auf Seiten des Bremer SV: Yücel kam in die Partie, für ihm musste Cakir Platz machen der von dieser Maßnahme eher semi-begeistert war (58. Minute). Die eingewechselte Nummer 22 hatte dann auch gleich die nächste Torchance auf dem Fuß, doch sein strammer Schuß fetzte knapp über dem Tor durch die Luft (63. Minute). Zehn Minuten später kam es auf dem rechten Flügel zu einem energischen Zweikampf zwischen Degtjarenko und Blumenthals Pendzich, für den Letzterer mit dem gelben Karton versorgt wurde. Für Degtjarenko ging es danach nicht mehr weiter, er musste gegen Laabs ausgetauscht werden. Es begann eine Schlussphase mit der keiner so noch gerechnet hatte: in der 82. Minute blockte Aminzadeh einen knackigen Bolzer von Faouzi zur Ecke ab, die dann von Yücel nur um wenige Zentimeter über das Tor gesetzt wurde. Nur wenige Minuten später stach der Joker dann: Yücel tanzte sich durch die etwas konfus stehende Blumenthaler Abwehr und droppte die Kugel unhaltbar zum 2:0 ins Netz (85. Minute). Wenige Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit hatte Kurkiewicz bereits einen weiteren Torschrei auf den Lippen, doch sein Schuss knallte leider nur lautstark an die Querlatte (89. Minute). Doch die Begegnung war auch jetzt noch nicht vorbei, denn Blumenthal machte es sich selbst unnötig bitter: Torhüter Frerichs senste Kurkiewicz im Strafraum um, den nun fälligen Strafstoß verwandelte der Gefoulte selber zum 3:0 (90'+2 Minute). Den Schlußpunkt setzte dann Last-Minute-Goal-Spezialist Yücel, der unmittelbar vor dem Abpfiff auf 4:0 erhöhte (90'+4 Minute).

 

AUSBLICK

Das nächste Spiel steht für den Bremer SV am Samstag, den 14. Oktober 2017 um 13:00 Uhr auf dem Programm, dann ist die SG Aumund-Vegesack beim BSV zu Gast. Ob das Spiel am Panzenberg oder am Hohweg ausgetragen wird steht derzeit noch nicht fest, hierzu werden wir Euch noch rechtzeitig informieren.

 

INTERVIEWS

Mit Blumenthal-Trainer Moussalli:

Mehr Interviews auf www.bsv-latenight.de

 

STATISTIK

BREMER SV – BLUMENTHALER SV ... 4:0 (1:0)
1:0_ Rockahr (7', Vorarbeit Aziri)
2:0_ Yücel (85', ohne Vorarbeit)
3:0_ Kurkiewicz (90'+2, Strafstoß, Frerichs an Kurkiewicz)
4:0_ Yücel (90'+4, ohne Vorarbeit)

Bremer SV: Malte Seemann – Youness Buduar, Frithjof Rathjen, Denis Nukic – Elmehdi Faouzi, Alexander Arnhold, Artur Degtjarenko (79' Ole Laabs), Florent Aziri – Sebastian Kurkiewicz ©, Philipp-Bruno Rockahr (69' Onur Uzun), Simon-Joel Cakir (58' Gökhan Yücel). – Trainer: Sasa Pinter.
Blumenthaler SV: Hannes Frerichs – Daniel Luckyman, Ali Dag, Ennio Cordes (85' Yasin Chaaban), Denis Spitzer, Malte Tietze, Tim Pendzich ©, Lokman Abdi (71' Yannik Wojciechowski), Moritz Hannemann (36' Vinzenz van Koll), Dallas Sikes Aminzadeh, Abdullah Basdas. – Trainer: Peter Moussalli.
Nicht eingesetzte Reservespieler: Christian Ahlers-Ceglarek (Torhüter), Dominic Krogemann, Tim Rieckhof, Mert Bicakci – Jascha Tiemann (Torhüter), Paul Marciniak, Dennis Jordan, Dario Cordes.

Schiedsrichter: Hendrik Duschner (SC Borgfeld). – Assistenten: Julian Karker, Leon Schneider.
Gelbe Karten: Buduar (19'), Faouzi (67') – Spitzer (44'), Pendzich (73'), van Koll (80').

Spielort: Sportanlage am Hohweg, Hohweg 48-50, 28219 Bremen.
Zuschauer: ca. 130.

 

CREDITS
Text und Liveticker: Thilo Huntemüller. | Fotos: Imke Huntemüller. | Interviews: BSV LateNight. | Seit neuestem Edel-Follower auf Twitter: Jörg Wontorra. | Hat ab sofort Hausverbot: Xavier. | Herzlicher Dank an die 130 teilweise konspirativ angereisten Zuschauer.

Bremer SV

4 : 0

Blumenthaler SV

Samstag, 7. Oktober 2017 · 13:00 Uhr

Stark Bremen-Liga · 10. Spieltag

Schiedsrichter: Hendrik Duschner (SC Borgfeld) Assistenten: Julian Karker, Leon Schneider Zuschauer: 130

Startaufstellung